Bardenhagen: Die HuffPo versteckt uns Blogger in der staubigen Ecke

Taiwanreporter Klaus Bardenhagen79 Blogger haben sich in der ersten Woche der Huffington Post Deutschland registriert und erste Beiträge veröffentlicht. Nicht alle sind sicher, dass diesen weitere folgen werden. Klaus Bardenhagen war vor allem überrascht, wie lieblos die Beiträge auf der Seite präsentiert werden.

Aus Taiwan berichtet Klaus Bardenhagen leidenschaftlich gern. Deshalb hatte er den Chefredakteur der HuffPo, Sebastian Matthes, angemailt und ihm seinen ersten Beitrag umrissen. Die Redaktion antwortet auch schnell, befand den Vorschlag für gut und richtete ihm einen Account ein. „Das hat dann bis zum Montag nach dem Start gedauert, so dass ich leider nicht von Anfang an auf der Seite sein konnte“, sagt Bardenhagen. Ein Umstand, den man wohl bedauern, aber nachsehen könne, angesichts der Menge an Arbeit, welche die 15 Redakteure in der Startphase haben.

E-Mail des Redaktionssystems der HuffPo zur Registrierung

Wer für die HuffPo bloggen will, muss sich von der Redaktion einen Account einrichten lassen.

Zunächst galt es, sich mit dem System vertraut zu machen. Ausnahmsweise hatte die Redaktion den ersten Beitrag bereits selbst als Entwurf angelegt. Rückfragen zum Inhalt oder Änderungsvorschläge gab es nicht. Ein Bild einzubinden, wie Bardenhagen sich überlegt hatte, erlaubt das System nicht. Er war gerade dabei, den kurzen Text für sein Profil zu überarbeiten, als der Entwurf des ersten Beitrages plötzlich online ging. Ein Versehen der Redaktion oder ein technischer Fehler – das blieb ungeklärt. Nur: Änderungen am Text waren jetzt nicht mehr möglich: If you need to make any edits to your post after it has been published, please contact … Schnell schickte Klaus seine letzten Änderungswünsche an einen Redakteur. Einen Tag später fügte dieser die Änderungen ein. „Den Vorfall hefte ich mal unter Kinderkrankheiten bzw. Startschwierigkeiten ab“, sagt Bardenhagen auch hier noch.

Einige Dinge stören ihn dagegen grundsätzlich. Da ist die Art und Weise, wie die Blogbeiträge auf der Huffpost-Homepage eingebunden und präsentiert werden. Diese sei „eine ziemliche Katastrophe oder, um positiv zu bleiben, stark verbesserungswürdig“, findet er.

Wer die Startseite besucht, findet in der linken Spalte die Beiträge der Blogger. Dort, wie auch in den Ressorts, steht obendrüber „Empfohlene Blogbeiträge“ – was noch durch ein Flüstertüten-Clipart verunstaltet sei, findet Bardenhagen. Nur wenn man da drauf klickt, gelangt man zur Übersicht der Blogs. Dies sei verwirrend, weil dieser Link tatsächlich der einzige Zugang überhaupt zu den Blogbeiträgen ist. „Es gibt ja nicht einmal einen Link zu einer Blog-Übersichtsseite in der Navigationsleiste.“ Befindet man sich auf der Seite einer Meldung, gibt es keine Möglichkeit, direkt zu den Blogs zu wechseln. Unpraktisch.

Weitere Einschränkung der Benutzerfreundlichkeit: In der Übersicht sind nur die zwanzig neuesten Beiträge zu sehen. Hier könnte wenigstens die Kurz-Bio der Autoren eingeblendet werden, wünscht sich Bardenhagen. „Alles andere verschwindet dahinter im digitalen Nirvana – es klickt sich ja niemand Tag für Tag durchs Archiv. Jede Standard-Wordpress-Installation ist zumindest nicht schlechter“, sagt er.

Eine der wenigen wichtigen Seiten, der sogenannte Index der Blogs, ist wiederum nur in der Übersicht anklickbar und erreichbar. Dort werden die – je nach ausgewähltem Filter – zehn meistgelesenen, -kommentierten oder per E-Mail verschickten Beiträge des Tages, der Woche oder insgesamt angezeigt. „Aber es gibt nicht mal die Möglichkeit, weiterzublättern“, moniert Bardenhagen. Nach zehn ist einfach Schluss. Wer gestern die meisten Klicks hatte oder wer insgesamt auf Platz elf kommt, findet man nicht heraus.

Gemessen an den großen Worten zum Start der HuffPo („Die Menschen wollen Teil unserer Zeit sein, sie wollen ihre Geschichten erzählen. Wir geben ihnen die Plattform dafür.“ Ariana Huffington), ist Bardenhagen enttäuscht über die Art und Weise der Präsentation. „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass die HuffPo die Blogbeiträge, die doch gerade ihr Alleinstellungsmerkmal sein sollen, so lieblos in einer staubigen Ecke ihrer Website versteckt“, sagt er.

Aus der Liste der neuesten Blogeinträge war sein Beitrag schnell herausgerutscht. So hat er dem Artikel wohl selbst per Facebook und Twitter die meisten Leser zugeführt, vermutet er.

Dass er noch einmal etwas postet, schließt er nicht aus. „Aber ich könnte mir vorstellen, dass viele potentielle Autoren durch das Homepage-Design und die missglückte Präsentation abgeschreckt werden.“

Ein etwas optimistischer gestimmter Bloggern bei der HuffPo ist Karsten Lohmeyer. Wie es von innen betrachtet bei der HuffPo aussieht, beschreibt Cherno Jobatey.

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