Crowdfunding ist eine Bereicherung für die Arbeit

Ort der nationalsozialistischen BŸcherverbrennung in Greifswald

Jan Schenck ist Fotograf. Für sein Projekt “Verbrannte Orte” hat er mit Crowdfunding zum einen die Anschubfinanzierung bekommen, zum anderen erhielt das Projekt durch das Crowdfunding viel Aufmerksamkeit, die ihm weitere, immaterieller Unterstützung einbrachte.

Ort der nationalsozialistischen BŸcherverbrennung in Greifswald

Ort der nationalsozialistischen BŸcherverbrennung in Greifswald. Bild: Jan Schenck

“Verbrannte Orte” widmet sich Plätzen, an denen im Dritten Reich Bücher verbrannt wurden. Bereits wenige Monate nach der Machtergreifung stellten die Nazis eine Liste mit Autoren “undeutschen Geistes” auf, deren Bücher in mehr als 20 Städten am 10. Mai 1933 verbrannt wurden. Dazu gehörten zum Beispiel Bücher von Erich Kästner oder den Mann-Brüdern. Das ist nun 80 Jahre her. Jan Schenck stellte fest, dass es im Gegensatz zu Stolpersteinen, die in viele Städten vor den Häusern zu finden sind, in denen von den Nazis vertriebene Juden wohnten, an die Orte der Bücherverbrennung kaum erinnert wird.

„Aus diesem Anlass habe ich mir zum Ziel gesetzt, diese Orte zu dokumentieren und mit geschichtlichen Erläuterungen und Erinnerungen von ZeitzeugInnen darzustellen. Wie sehen diese Orte 80 Jahre nach den Bücherverbrennungen aus? Was passiert dort heute und betrachten wir diese Orte anders wenn wir wissen, was dort passiert ist?“

Auf einer Webseite können die Besucher demnächst in interaktiven Karten sehen, wo in deutschen Städten Bücher verbrannt wurden und die von Schenck aufgenommen Fotos sehen.

Über krautreporter sammelte er zunächst die finanzielle Unterstützung für das Projekt und erhielt positive Resonanz, die er zu schätzen weiß: “Die Finanzierung durch Crowdfunding gibt schon mal ein Feedback, dass jemanden das Projekt interessiert. Sonst wird Interesse in der Regel stellvertretend durch eine Redaktion gezeigt, der man seine Arbeit verkauft.”

Jan Schenck machte “Verbrannte Orte” über eine Mailingliste vieler Bibliotheken bekannt und warb um Unterstützung. Aus diesen Kreisen kamen dann viele brauchbare Hinweise für das Projekt, die zum Teil mit finanzieller Unterstützung einhergingen. So erhielt er viele Hintergrundinformationen zur Bücherverbrennung aus historischen Sammlungen und Vereinen, die sich mit Stadtgeschichte auseinander setzen.

Doch dabei blieb es nicht. Durch die vielen Rückmeldungen wurde dem Fotografen die Zielsetzung des Projekts klarer und bestimmter. “Ich hatte beim Konzept direkten Kontakt mit Leuten, die das Projekt begeistert. Ihre Anregungen und Hinweise hatten dann natürlich Einfluss. Das ist was anderes, als zwei bis drei Monate vor sich hin zu arbeiten und seine Arbeit dann in eine Redaktion zu geben.”

Ort der nationalsozialistischen BŸcherverbrennung in Rostock

Ort der nationalsozialistischen BŸcherverbrennung in Rostock. Bild: Jan Schenck

Auch seine Vor-Ort-Veranstaltungen, bei denen er “Verbrannte Orte” vorstellt und die ersten Plätze fotografiert, bringen weiteres Material für das Projekt. “Der Kontakt ist auf jeden Fall eine Bereicherung für die Arbeit”, konstatiert Schenck. Viele Hinweise sind bereits in die Programmierung der Webseite eingeflossen, die demnächst veröffentlicht werden soll. Dann werden aber nur ein paar Städte online sein, für weitere Städte läuft das Geld sammeln auch ohne feste Aktion bei krautreporter weiter.

Erst durch den Kontakt zu den Interessenten nahm das Projekt eine weitere Wendung. Während Schenck ursprünglich nur die Fotos auf einer interaktiven Karte im Web zeigen wollte, entwickelt sich “Verbrannte Orte” gerade durch die vielen Hinweise von außen zu einer Informationsplattform. “Dass es eine Art Online-Mahnmal werden würde, war von mir geplant. Ohne die Unterstützung der Crowd zum Beispiel mit Texten, wäre ‚Verbrannte Orte‘ aber nicht in seiner jetzigen Form entstanden.”

Timo Stoppacher

Veröffentlicht von Timo Stoppacher

Journalist, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook (Person), Facebook (Seite) und Google+.

Kommentar verfassen

Pflichtfelder sind mit * markiert.