Die Top Ten der Irrtümer über Open Journalism

Immer mehr Medien wagen neue Ansätze, um ihre Nutzer einzubinden. Die Offenheit und Experimentierfreudigkeit der Deutschen Medien hat deutlich zugenommen. Trotzdem tauchen in der Diskussion regelmäßig verschiedene Vorbehalte auf, die meistens mit dem negativ besetzten Begriff „Bürgerjournalismus“ verknüpft sind. Viele dieser Kritikpunkte treffen jedoch nicht auf Open Journalism zu. Wir haben die Top Ten der häufigsten Vorbehalte und Missverständnisse zusammengetragen.

Bürgerjournalismus versus Open Journalism

Amateure können keinen Journalismus, sie sind nicht objektiv. Bürgerjournalismus ist kein echter Journalismus. Die Mitarbeit von Laien sollte uns willkommen sein. Das heißt nicht, dass die Profis die Kontrolle abgeben. Die Bürger machen das ja nicht alleine.
Leserreporter können die Dinge oft nicht beurteilen. Im Internet gibt es viele falsche Informationen, Datentrash und populistische Behauptungen. Das gehört alles nicht in die Medien. Die ausgebildeten Journalisten haben noch immer die Verantwortung, die Quellen zu prüfen, das Material zu filtern, zu kuratieren und zu beurteilen, was relevant ist.
Der Kern eines Mediums verwässert, die Marke geht verloren, wenn zu viele ihren Senf dazugeben. Kollaborativer Journalismus macht die Menschen zum Teil der Marke. Wer mitmacht, der identifiziert sich und ist stärker eingebunden.
Medien müssen den Anspruch haben, die öffentliche Meinung zu formen. Sie müssen führen, Wegweiser sein, aufklären. Deshalb dürfen sie sich nicht von ihrem Publikum führen lassen. Medien sind nur relevant, wenn die Menschen sie brauchen. In Zeiten des Internets sind die Mediennutzer wählerischer, an wem sie sich orientieren.
Demokratische Gesellschaften brauchen eine öffentliche Meinung. Diese schaffen die Medien, sie sind deshalb eine Säule der Gesellschaft, eine Stütze der Demokratie. Die Menschen suchen sich selbst ihre Kanäle. Sie wollen in ihrem Kontext angesprochen werden, sie wollen selbst den Zeitpunkt bestimmen, wann sie sich informieren, und sie wollen mitreden.
Journalismus von Bürgern machen zu lassen, ist nichts weiter als ein Sparmodell, ausgedacht von Geschäftsführern in Zeiten der Krise. Das geht zu Lasten der Qualität. Selbst wenn Redaktionen zusätzliches Personal einstellen könnten, was heute utopisch ist, wären sie trotzdem nicht immer da, wo Dinge passieren. Die Menschen sind dagegen überall und schon vor Ort und Stelle. Sie erhöhen die Themenabdeckung.
Die ausgebildeten Journalisten werden arbeitslos. Ihre Arbeit wird ersetzt durch die von Laien. Durch Social Media und Inhalte der Mediennutzer steigt die Menge an Material. Für Profis gibt es sogar immer mehr zu tun. Denn sie müssen prüfen, auswählen und kuratieren.
Hin und wieder ein Leserfoto, das mag mal eine Lücke füllen. Aber die wesentliche Arbeit müssen doch ausgebildete Journalisten machen. Bei vielen wichtigen Ereignissen, wie in der Politik, ist ja nicht zufällig irgend jemand in der Nähe, der darüber berichten könnte. Jeder Mensch ist ein kleiner Experte für irgendetwas. In all den tausend Nischengebieten gibt es jemanden, der viel tiefer drin steckt, als es ein Journalist könnte. Der Austausch inspiriert, hilft Fragen zu finden und neue Ansätze zu entdecken.
Wir haben hier die Medien und dort die Leser bzw. das Publikum. Die einen machen die Nachrichten, die anderen empfangen sie. Grundsätzlich wird sich daran nichts ändern. Denn: Tante Emma hat weder Zeit noch Lust mitzumachen. Das Publikum ist durch die digitale Revolution einfach nur größer geworden. Von Lesern und Publikum zu sprechen, heißt, ihnen ein passives Etikett zu verpassen. Diese Art der Rollenverteilung war den früheren technischen Möglichkeiten geschuldet. Heute sind die Menschen aktive Mediennutzer. Das Internet hat den alten, strikten Gegensatz aufgelöst, die Grenze flüssiger gemacht.
Das bringt kein Geld in die Kasse, das ist kein Ausweg aus der Medienkrise. Medien sind auf Werbeeinnahmen angewiesen und die gehen derzeit zurück. Wenn es Medien gelingt, die Menschen anzuziehen, dann wird der Rest folgen. Eine starke, engagierte Community, die der Marke treu ist, ist eher bereit zu zahlen.

Anmerkung: Wohlgemerkt kann es schon sein, dass manche Medienhäuser sich auch Einsparungen erhoffen, indem sie auf Blogger und nutzergenerierte Inhalte setzen. Aber so wollen wir Open Journalism eben nicht verstanden wissen. Die Liste ist als eine Beschreibung der Hoffnungen gedacht, die mit der neuen Strömung verbunden sind.

Kommentar verfassen

Pflichtfelder sind mit * markiert.