Grasswire: Die Crowd macht die News

Ein neuer englischsprachiger Nachrichtendienst setzt ganz auf die Nutzer: Der Echtzeit Newsroom Grasswire ging vor fünf Wochen offiziell online. Zusätzlich gibt es seit Kurzem eine Android App als Betaversion.

Screenshot Grasswire

Startseite von grasswire.com

Derzeit bietet die Website sieben Themen an, zum Beispiel den Konflikt zwischen Russland und Ukraine, den Konflikt in Libyen und die Entführungen der Boko Haram. Wenn man auf ein Thema klickt, gelangt man zu einem Live-Stream, der sich vor allem aus Tweets, Bildern von Instagram und Youtube-Videos speist.

Screenshot Live-Stream von Grasswire

Live-Stream zum Konflikt zwischen Russland und Ukraine – unten links ist eine Meldung zu sehen, die von den Nutzern mehrheitlich als falsch abgelehnt wurde.

Eingeloggte Nutzer können die  einzelnen News bewerten (Upvote) und kommentieren. Eine zentrale Funktion ist die Überprüfung, denn bei Grasswire füllen die Nutzer die redaktionellen Aufgaben selbst aus: Über die beiden Buttons „Confirm“ und „Refute“ können Nutzer Quellenangaben beisteuern, welche die Richtigkeit der Information bestätigen oder widerlegen. Bisher wurden die Meldungen in den Live-Streams automatisch generiert. In Zukunft sollen auch die Nutzer das Kuratieren übernehmen.

Screenshot eines Eintrags bei Grasswire

Eine einzelne Meldung bei Grasswire – hier mit einer falsifizierenden Quellenangabe durch einen Nutzer

Grasswire ist seit dem 27. Juni dieses Jahres offiziell online. In den ersten drei Wochen seit dem Start konnte die Seite über eine Viertelmillionen Besuche verzeichnen. Vorversionen starteten aber schon deutlich früher. Einen ersten Durchbruch hatte die Seite im April 2013 nach dem Anschlag auf den Boston Marthon, als auf anderen Seiten wie Reddit viele Falschmeldungen kursierten. Auf Twitter ist Grasswire seit Februar 2012 aktiv und hat dort fast 33.000 Follower.

Gründer Austen Allred wurde einerseits inspiriert durch die Bedeutung von Twitter, Blogs und Foren im Arabischen Frühling und im Syrienkonflikt, andererseits durch seine Erfahrungen als er 2011 in China lebte, wo er keine brauchbaren Informationen in den Mainstream-Quellen fand.

Eine formelle Qualifikation im Journalismus hat Allred nicht. Er fühlt sich der Idee verpflichtet, weil er das Bedürfnis der Menschen spürte, selbst Nachrichten zu erzeugen. “I feel like it’s something that needs to exist, something that has to happen, and I think that someone will eventually create it. But since it doesn’t seem to be happening, I am trying to be the one that does it“, sagte er dem Online-Medium GigaOm. Um seine Vision zu realisieren, wohnte er im Sillicon Valley sogar drei Monate in einem Auto. 50.000 Dollar hat er bereits zusammenbekommen und strebt jetzt die nächste Finanzierungsrunde an.

Allred glaubt daran, dass die Seite funktionieren und korrekte Informationen liefern wird, wenn genug Nutzer mitmachen. Dass dies möglich ist, habe Wikipedia gezeigt. Damit Crowdsourcing auch bei kurzlebigeren Nachrichten funktioniert, gibt es die Überprüfungsfunktionen für die Nutzer. So könnte Grasswire tatsächlich eine Lücke schließen, die in anderen Social Media Kanälen bislang fehlte.

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