Macht die INA arbeitslos!

Wie stellt man fest, welche Themen in den Medien fehlen oder unterrepräsentiert sind? Naheliegend wäre es, die Mediennutzer zu fragen. Oder besser noch: dauerhaft mit diesen im Dialog zu stehen und sich über facebook oder twitter eine Rückmeldung zur täglichen Arbeit zu holen. Solange das in der Fläche der deutschen Medienlandschaft noch keine gelebte Praxis ist, hilft die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA).

Die INA, 1997 gegründet und seit 2002 im Institut für Journalistik der Technischen Universität Dortmund beheimatet, will wichtige Nachrichten und Themen, die in den Medien nicht genügend berücksichtigt wurden, stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen, und wählt dafür jährlich die zehn vernachlässigsten Themen.

Das ganze Jahr über ruft die INA auf, Vorschläge einzureichen, ausdrücklich auch Leser, Hörer und Zuschauer. Unter den eingesendeten Vorschlägen wird eine Vorauswahl von zwanzig Themen getroffen. Dies findet in den Rechercheseminaren an der TU Dortmund, der Universität Siegen und an der Macromedia Hochschule statt, wo Studierende mithilfe von Pressedatenbanken die Präsenz beziehungsweise Nicht-Präsenz in den Medien prüfen.

Eine Jury von Wissenschaftlern und Journalisten kürt schließlich aus der engeren Auswahl die Top Ten jedes Jahres. Im vergangenen Jahr landete beispielsweise auf Platz 1, dass Strafgefangene in Deutschland verpflichtet sind zu arbeiten, sie aber dafür keine Rentenansprüche erwerben. Platz 2 nahm das Thema ein, dass HIV-positive Menschen darüber klagen, in der Arbeitswelt auch in Bereichen benachteiligt zu werden, in denen ihre Infektion keinerlei Risiko darstellt. Auf Platz 3: Dass die Antibabypille für viele Frauen in Deutschland zu einem Lifestyle-Medikament geworden ist, obwohl die Informationslage für Nutzerinnen schwer durchschaubar ist.

Am 12. Juli ist es wieder Zeit für eine neue Nabelschau. Derzeit laufe die Arbeit in den Seminaren auf Hochtouren, berichtet Jurymitglied Miriam Bunjes.

Grundsätzlich ist es absolut zu begrüßen, dass es eine Einrichtung wie die INA gibt. Noch schöner wäre allerdings, wenn ihre Arbeit in den Redaktion und Verlagen auch zu einem Umdenken führen würde. Was relevant ist, wissen am besten diejenigen, für die wir Journalisten unsere Arbeit machen. Wenn wir Medien nicht länger als eine Einbahnstraße betrachteten, bräuchten größere blinde Flecken gar nicht erst entstehen, weil wir dann selbst genügend Hinweise unserer wichtigsten Informanten bekämen.

Dann müssten wir uns auch nicht von einem Team aus Wissenschaftlern – und wenn sie noch so gut ihre Arbeit machen, es ist ein Umweg – mit der Nase auf die Bedürfnisse der Öffentlichkeit zu stoßen, auf welche die INA den Focus legt. Das gilt insbesondere für die überregionalen Tageszeitungen, die sich sonst gerne auf die Fahne schreiben, Pfeiler eines öffentlichen demokratischen Bewusstseins und Stütze des sozialen Gemeinwesens zu sein. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen: Macht die INA arbeitslos!

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