Mit der Crowd gegen den blinden Fleck

Die Initiative Nachrichtenaufklärung hat nicht nur ihre diesjährige Top-Ten-Liste der vernachlässigten Themen veröffentlicht. Erstmals hat sie in Kooperation mit Krautreporter.de Crowfundingprojekte initiert, um diese Lücken zu schließen. Ein konsequenter Schritt, der Schule machen könnte: „Je nachdem wie diese Kooperation läuft, werden wir zukünftig immer so vorgehen“, sagte uns INA-Mitglied Miriam Bunjes.

Sitzung der INA

Wahl der Top Ten der vernachlässigten Themen: Die Sitzung der Initiative Nachrichtenaufklärung am 11. Juli. Foto: INA

Auf Platz 1 der Top-Ten-Liste steht dieses Jahr das Thema „In Spendierroben: Wie Richter ohne Kontrolle Geld aus Prozessen verteilen“. Denn der Niedersächsische Landesrechnungshof stuft Richter als besonders korruptionsgefährdet ein, heißt es in der Begründung: Die Richter entschieden jedes Jahr über die Verwendung von ca. 100 Millionen Euro, die die Justiz als Geldauflagen in Prozessen einnimmt.

Wer sich für dieses Thema stark machen will, hat nun die Gelegenheit, auf Krautreporter.de die freie Hörfunkjournalistin Miranda Schiller zu unterstützen. Sie möchte dafür Tausend Euro einwerben, um sich durch Akten zu wühlen und das eine oder andere Interview zu führen.

Bereits die Vorschläge für die Top Ten der vernachlässigten Themen der INA kommen aus der breiten Bevölkerung. Da liegt es nahe, diese auch an der Umsetzung zu beteiligen, was mittels Crowdfunding leicht möglich ist. „Dass das Publikum hier noch einmal über die vernachlässigten Themen entscheidet, finde ich sehr spannend, weil wir die Liste ja deshalb gewählt haben, um Themen, die für die Bevölkerung wichtig, aber öffentlich untergegangen sind, Aufmerksamkeit zu verschaffen“, sagt Bunjes.

Vor der Bekanntgabe der Top Ten haben die INA, Pressefreiheit in Deutschland und Krautreporter.de eine gemeinsame Anzeige geschaltet und aufgerufen, sich zu bewerben. Das konnten auch Student aus den Rechercheseminaren, in denen die Vorschläge für die Wahl der INA ausgewertet werden, wie beispielsweise Haluka Maier-Borst. Er nimmt sich dem Top 7 „Bonuszahlungen für Ärzte – auch bei nicht zugelassener Medikation“ an. Zweitausend Euro will er für ein Multimediafeature über Anwendungsbeobachtungen und den deutschen Pharmamarkt einwerben, sucht aber genauso nach Mit-Rechercheuren.

Dann musste es schnell gehen: Am 11. Juli wurden die Themen von der INA gewählt und am 12. veröffentlich. „Krautreporter und Pressefreiheit in Deutschland haben dazwischen mit den Autoren die Ausschreibung finalisiert, dann sind die Teams schon gestartet“, erklärt Bunjes. Der als Starttermin auf Krautreporter.de angegebene 7. Juli sei insofern irreführend. Wegen der knappen Frist seien auch erst für acht der zehn Themen Teams gefunden, die ein Crowdfundingprojekt anpacken.

Jetzt fiebert Bunjes mit den Teams mit, ob und wie viele von Ihnen die nötige Summe zusammenbekommen. Nächstes Jahr wird die Organisation eventuell noch anders laufen. „Aber ich bin sicher, dass das eine sehr gute Chance ist, für unsere Themen die Öffentlichkeit zu bekommen, die sie verdienen.“

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