Nah dran an den Lesern Mecklenburg-Vorpommerns: alles-mv.de

Portraitfoto von Manuela HebererGerade im Hyperlokalen kann open journalism punkten, weil die große Lesernähe den Rückfluss an Informationen in die Medien hinein begünstigt. Eine neue Onlineplattform in Mecklenburg-Vorpommern, alles-mv.de, setzt deshalb sowohl auf ausgebildete Autoren, bezieht aber genauso Laien mit ein – solange die Qualität stimmt, erklärt uns Gründerin Manuela Heberer, freie Printjournalistin in Schwerin. Sie baut derzeit ein Autorennetzwerk auf, finanziell trägt sich das Projekt noch nicht.

Alles-mv.de stellt Land und Leute vor. In der Geschichte „Der backende Holländer“ portraitiert Heberer beispielsweise einen holländischen Maskenbildner, der in der mecklenburgischen Provinz die verrücktesten Tortenkreationen entwirft. In einer anderen Geschichte kommt eine Künstlerin zu Wort, die ihre Vision der Elfenwelt in Bildern aus Farbe und getrockneten Blüten zu Papier bringt. „Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Köpfe, Visionen und Projekte es in MV gibt. Unendlich viel Stoff für neue Geschichten“, freut sich Heberer.

Um mehr Autoren zu gewinnen, spricht sie gezielt Journalisten in den verschiedenen Regionen des Landes an. Ziel ist eine Art Korrespondentennetzwerk, über das die Seite regelmäßig Beiträge schöpfen kann. Das soll sich in erster Linie aus Profis zusammensetzen.

Screenshot der Seite alles-mv.de

Auch Tipps und vereinzelt Beiträge von Laien sind erwünscht:
In der Serie “Wie hip ist MV?” erscheinen Beiträge einer Bloggerin.

Diese rekrutiert sie derzeit noch „über die persönliche Schiene“, wie sie sagt. Die Autoren, die etwas anbieten, kennen sie. Wie sie sind sie vom Projekt und vom Onlinejournalismus überzeugt. Deshalb mache es für sie Sinn, Arbeit zu investieren, weil sie davon ausgehen, dass sich das in absehbarer Zukunft auszahlt, erklärt Heberer. Wenn sich das Magazin etabliert, könne es für einige Autoren auch eine zusätzliche Einnahmequelle werden. Gerade für viele Freie in Mecklenburg-Vorpommern sei die Luft ziemlich dünn. „Die Tageszeitungen zahlen lächerliche Honorare, Tendenz fallend, und auch sonst ist die Medienlandschaft hier nicht allzu üppig gesät“, sagt Heberer.

Derzeit kann sie Autoren noch keine Honorare zahlen. Sie hofft aber, dass sich das Magazin in absehbarer Zeit selbst trägt, damit die Autoren faire Honorare für ihre Arbeit bekommen können. Die Kosten des Portals finanziert Heberer mit ihrer Arbeit als freie Journalistin für andere Auftraggeber quer.

In dem Magazin kommen aber auch Beiträge von Laien zum Zuge. In der Serie „Wie hip ist MV? Unterwegs im jungen Mecklenburg“ sind hin und wieder Beiträge einer jungen Studentin aus dem Saarland zu finden, die ihre Erlebnisse und kulturellen Entdeckungen in Mecklenburg-Vorpommern in einem Blog postet. „Das ist spannend und mal eine andere Perspektive.“

Ideen von Lesern sind ihr deshalb immer willkommen. Schon im Untertitel nennt sie das Projekt ein „interaktives Onlinemagazin“. Heberer freut sich Tipps per E-Mail und Kommentare zu den Beiträgen. Daraus könnten interessante Diskussionen entstehen, aus denen wieder Themen für neue Inhalte hervorgehen.

Auch über Facebook hat sie erste Versuche unternommen, Ideen und Meinungen der Leser abzufragen. Allerdings mit wenig Erfolg, sagt sie. Das liege aber sicher an der noch recht geringen Anzahl der Fans. Je mehr Menschen das Magazin zukünftig regelmäßig lesen, umso mehr Austausch erhofft sie sich.

Dazu will sie demnächst mit öffentlichen Redaktionssitzungen in verschiedenen Ecken des Landes starten. Dort können Leser und Autoren direkt ins Gespräch kommen.

Ob Laien dort auch direkt eigene Artikel einreichen können, da ist sie eher zurückhaltend. „Ich lege großen Wert auf Qualität, die das Markenzeichen der Seite sein soll und mit der das Magazin bei den Lesern punkten soll. Deshalb werden die Inhalte vorwiegend von Profis stammen.“ Wenn sie doch einmal etwas von Laien nimmt, dann müsse die Qualität der Texte stimmen und der Leser vorab informiert werden, findet sie.

Trotzdem legt sie Wert auf open journalism, der vor allem für hyperlokale Medien wie ihres Vorteile bringe. „Die Redaktion ist immer ganz nah dran am Leser. Dabei geht es gar nicht vorwiegend darum, Stimmungen zu bestimmten Themen oder Ereignissen einzufangen. Vielmehr können sich in beiläufigen Gesprächen Ideen für Geschichten ergeben, auf die man sonst ohne Weiteres gar nicht kommen würde. Das bringt aber nicht nur im Hyperlokalen etwas. Jede Redaktion sollte sich seinen Lesern zumindest ein Stück weit öffnen“, sagt sie.

Ein eigenes Medienprojekt zu gründen, kann sie anderen Kollegen empfehlen. Es mache wahnsinnig viel Spaß, etwas nach eigenen Vorstellungen auf die Beine zu stellen. Die Themenvielfalt sei riesig und die Möglichkeiten auch. Manchmal frage sie sich, warum nicht mehr Kollegen auf die Idee kommen. Der Medienvielfalt täte das gut. Und in Zeiten von Stellenabbau und Redaktionsschmelze sei das auch eine Möglichkeit der Selbstvermarktung.

WErbepostkarte für alles-mv.de

Postkarte von alles-mv.de

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