Neue EU-Studie zum offenen Journalismus

Vor kurzem hat die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, eine Einrichtung des Europarats in Straßburg, eine Studie zum offenen Journalismus vorgestellt. Die Studie wurde im Rahmen der Publikationsreihe IRIS plus im Heft 2013-2 veröffentlicht. Da wir uns ja hier auch mit offenem Journalismus beschäftigen, bestand Grund genug, sich das ganze mal durchzulesen. Dafür hat uns die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Dank der tragbaren Videotechnologie, die viele von uns stets bei sich haben, sind wir in der „schönen neuen Welt“ des sog. offenen Journalismus ALLE potentielle Journalisten. Jeder, der sich „zur richtigen Zeit“ am „falschen Ort“ aufhält, kann sich mit seinem Smartphone den Scoop des Jahrhunderts sichern.

Quelle: http://www.obs.coe.int/about/oea/pr/irisplus2013-2.html

Tarlach McGonagle legt in seinem Leitbetrag in der Studie dar, wie sich Medieninhalte verändern können, wenn Informationen und Meinungen genutzt werden, die aus Quellen stammen, die eben keine Medien sind. Mir persönlich wird zunächst zu sehr auf den verschiedenen Arten von user generated content, die sehr wissenschaftlich ausgeführt werden, eingegangen, was aber vermutlich dem Anspruch der IRIS entspricht.

Spannend wird es aber, wenn es dann wirklich an den open journalism geht und McGonagle die Beziehung zwischen Nutzern und Journalisten darlegt, die sich verändert. McGonagle sieht zum einen eine größere und wachsende „Vielfalt von (nicht-profesionellen) Akteuren“. Diese Vielfalt wirkt sich auf die bisherigen Nachrichtenprozesse aus, denn sie schafft Alternativen. Diese Alternativen seien zunächst nicht qualitativ zu bewerten.

Zum anderen verändern sich folglich die Rahmenbedingungen für die institutionalisierten Medien. Mit user generated content muss umgegangen werden, er muss verifiziert und bewertet werden.

Öfter wird auf ein Werbevideo des Guardians verwiesen, das den Ansatz des open journalism verdeutlichen soll. Quintessenz: die Beteiligung der Nutzer führt zu dramatischen Veränderung sowohl für das Thema und den Ablauf der Geschichte, resultiert aber schließlich in gesellschaftlichen Veränderungen. Klar, etwas weit hergeholt, aber das ist schließlich Werbung. Hier das Video:

Weitere Beiträge im Heft befassen sich mit Meinungsfreiheit online, den Abschnitt habe ich übersprungen, weil es im dritten Teil wieder interessant für uns wird. Hier werden die Leitlinien für soziale Medien 2013 der OSZE-Beauftragten für die Freiheit der Medien wiedergegeben, die viel spannenden Stoff enthalten, der sich auf open journalism bezieht.

Wer sich insbesondere mit den rechtlichen Rahmenbedingungen für open journalism in der EU auseinander setzen möchte, kann die Studie gut nutzen. Wer nur erste Einblicke in das Thema open journalism für seine alltägliche Arbeit zum Beispiel als Journalist haben möchte, braucht sie eher nicht.

Da die Studie umfangreich ist, werde ich zu weiteren Aspekten demnächst noch scheiben.

Timo Stoppacher

Veröffentlicht von Timo Stoppacher

Journalist, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook (Person), Facebook (Seite) und Google+.

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