Open Journalism im Radio: BR Puls

Das Medium Radio war schon immer irgendwie empfänglicher für seine Zuhörer. Call-In-Sendungen wie Domian im WDR sind legendär. Da das relativ simple technische Hilfsmittel Telefon benutzt wurde, war man auch ganz unabhängig vom Internet. Und so wurden open journalism und Crowdsourcing quasi praktiziert, bevor der Rest der Welt wusste, was das ist. Zu diesem Blogbeitrag hat mich der folgende Tweet inspiriert:

Und dann bin ich heute auf Puls gestoßen (worden). Das ist sozusagen die Jugendwelle des Bayerischen Rundfunks. Puls bindet die Zuhörer per Smartphone-App ein. So können zu einzelnen Sendungen Audioaufnahmen und Bilder eingereicht werden. Damit sammeln die Radiomacher ihre O-Töne nicht mit dem Mikro z.B. in der Fußgängerzone ein, sondern machen es sich bequem und lassen sich diese direkt ins Studio liefern. Darauf muss man erst mal kommen.

Die App gibt es fürs iPhone und für Android-Geräte. Sie fungiert dabei als Programmplaner, zum Abspielen des Live-Streams und eben für das Einreichen des User-generated-content. Damit nicht rechtlich fragwürdiges Material an den Sender geschickt wird – hier muss man sich mal bewusst machen, wer denn jetzt eigentlich der Sender ist – gibt es in der App in den  Nutzungsbedingungen einige Hinweise. Nutzer sollen nichts einreichen, was Persönlichkeits- und Urheberrechte verletzt. Die Haftung bei einem Verstoß wird dem Nutzer auferlegt.

Anders als gewisse große Internetdienste weist der BR darauf hin, dass alle Daten, die aus der App stammen, nicht weiterverwendet werden, der Datenschutz soll gewahrt bleiben. Und eine kommerzielle Nutzung wird ebenfalls ausgeschlossen: Inhalte der Nutzer sollen allein redaktionellen Zwecken dienen.

Puls wirbt mit “Nie war es leichter, sich am Radioprogramm von PULS zu beteiligen.” Bei der aktuellen Verbreitung von Smartphones in der Zielgruppe von Puls mag das zutreffen. Apps machen es da wirklich sehr einfach, weil sie es auch technisch unbedarften Nutzern ermöglichen, sich einzubringen, und das Ganze ist sehr niedrigschwellig angelegt. So kann open journalism aussehen und das muss so nicht aufs Radio beschränkt sein. Jedes Medium kann seine App (da gibt es schon viele von) um einen Button erweitern, mit dem eine Beteiligung der Nutzer möglich ist. Und vielleicht folgen dem Beispiel von Puls demnächst noch mehr Medien.

Beteiligung erwünscht: die App von Puls

Beteiligung erwünscht: die App von Puls

Die Nutzungsbedingungen (Ausschnitt) der Puls-App

Die Nutzungsbedingungen (Ausschnitt) der Puls-App

Timo Stoppacher

Veröffentlicht von Timo Stoppacher

Journalist, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook (Person), Facebook (Seite) und Google+.

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