Über dieses Blog

Open Journalism (OJ), auch Liquid Journalism genannt, will die Leserschaft stärker in den Prozess der Medienproduktion integrieren. Es ist eine neue Arbeitsweise, die mehr Aufmerksamkeit für Impulse aus der Leserschaft erfordert, um mit dieser gemeinsam Artikel zu entwickeln.

Ulrike Langer formuliert es auf ihrem Blog so:

“Open Journalism” ist ein momentan ziemlich oft benutztes Schlagwort. Es bedeutet, dass Journalisten sich öffnen sollen gegenüber ihren Nutzern und Wege finden sollen, möglichst konstruktiv und effektiv mit ihnen gemeinsam an journalistischen Projekten zu arbeiten. Es bedeutet aber auch, sich gegenüber neuen Technologien und anderen Branchen und Disziplinen zu öffnen.

Vor allem im englischsprachigen Raum integrieren Online-Zeitungen mehr und mehr ihre Leser, nehmen Ideen auf und veröffentlichen deren Beiträge. Es entstehen Newscafés, in denen jedermann auf einen Kaffee mit den Redakteuren ins Gespräch kommen kann. Crowdfunding ermöglicht es, Rechercheprojekte mit Unterstützern gemeinsam zu finanzieren und voranzubringen.

Die treibende Kraft dahinter liegt im Internet und den Möglichkeiten von Social Media. Sie verändern die Ansprüche der Mediennutzer. Die wollen heute vor allem eins: mitmachen. Um dieses Potenzial zu nutzen, ist der Redakteur als community manager gefragt. Die Grenze zwischen Lesern hier und Redakteuren dort, wie sie in den klassischen Medien üblich war, verschwimmt. Der Kontakt wird enger und intensiver. Wo das gelingt, entsteht qualitativ hochwertiger Journalismus, der die Medien auf ganz neue Weise fordert.

Wir stellen folgende Thesen auf, die wir hier im Blog untersuchen und überprüfen wollen:

1. Die Kultur des Internets und vor allem von Social Media ist eine Kultur des Mitmachens, die eine neue Art des Journalismus verlangt.

2. Die Krise der klassischen Medien ist mindestens zum Teil durch das Internet und die neuen Gewohnheiten ihrer Leser verursacht, worauf die meisten Medien viel zu träge reagieren.

3. Open Journalism ersetzt keine professionellen Journalisten durch Bürgerreporter. Vielmehr schafft er Arbeit und fordert Journalisten auf ganz neue Weise: Sie müssen Laien betreuen und anleiten, ihre Leserschaft einbinden und mitnehmen, transparenter arbeiten und den Entstehungsprozess bereits als Produkt begreifen.

4. Experimente mit offenem, integrierendem Journalismus sind vor allem im Ausland zu beobachten. In Deutschland sind wir am Anfang der Entwicklung, die vor allem durch das Zeitungssterben und viele nach Arbeit suchende Journalisten jetzt in Schwung kommen könnte.

Wir sammeln hier unsere Beobachtungen zu Open Journalism auf den Feldern: Innovative Ansätze bei den Medien, Krise der klassischen Medien, Ansprüche und Verhalten des mündigen Mediennutzers, story telling und der Einfluss von Social Media, neue Technologien und nützliche Webfeatures, neue Finanzierungskonzepte wie Crowdfunding, Aus- und Weiterbildung.