Willkommen auf unserem Blog über Open Journalism!

Hier beobachten Timo Stoppacher und Nils Franke eine Strömung in der Medienlandschaft, sich für Impulse aus der Leserschaft zu öffnen und mit dieser gemeinsam Artikel zu entwickeln. Vor allem im englischsprachigen Raum integrieren Online-Zeitungen mehr und mehr ihre Leser, nehmen Ideen auf und veröffentlichen deren Beiträge. Es entstehen Newscafés, in denen jedermann auf einen Kaffee mit den Redakteuren ins Gespräch kommen kann. Crowdfunding ermöglicht es, Rechercheprojekte mit Unterstützern gemeinsam zu finanzieren und voranzubringen.

Die treibende Kraft dahinter liegt im Internet und den Möglichkeiten von Social Media. Sie verändern die Ansprüche der Mediennutzer. Die wollen heute vor allem eins: mitmachen. Um dieses Potenzial zu nutzen, ist der Redakteur als community manager gefragt. Die Grenze zwischen Lesern hier und Redakteuren dort, wie sie in den klassischen Medien üblich war, verschwimmt. Der Kontakt wird enger und intensiver. Wo das gelingt, entsteht qualitativ hochwertiger Journalismus, der die Medien auf ganz neue Weise fordert.

Wir stellen folgende Thesen auf, die wir hier untersuchen und überprüfen wollen:

1. Die Kultur des Internets und vor allem von Social Media ist eine Kultur des Mitmachens, die eine neue Art des Journalismus verlangt.

2. Die Krise der klassischen Medien ist mindestens zum Teil durch das Internet und die neuen Gewohnheiten ihrer Leser verursacht, worauf die meisten Medien viel zu träge reagieren.

3. Open Journalism ersetzt keine professionellen Journalisten durch Bürgerreporter. Vielmehr schafft er Arbeit und fordert Journalisten auf ganz neue Weise: Sie müssen Laien betreuen und anleiten, ihre Leserschaft einbinden und mitnehmen, transparenter arbeiten und den Entstehungsprozess bereits als Produkt begreifen.

4. Experimente mit offenem, integrierendem Journalismus sind vor allem im Ausland zu beobachten. In Deutschland sind wir am Anfang der Entwicklung, die vor allem durch das Zeitungssterben und viele nach Arbeit suchende Journalisten jetzt in Schwung kommen könnte.

Deshalb fragen wir: Ist Deutschland reif für Open Journalism? Und wir hoffen, darauf bald eine positive Antwort geben zu können.

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